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Neuseeland kann seine Immigranten immer gezielter aussuchen


‚Freie Märkte, freie Menschen und der stärkste Gesellschaftszusammenhalt der Welt’ mit diesen Schlagwörtern feiert Neuseeland derzeit seinen ersten Platz auf dem World Prosperity Index des Legatum Institutes. Laut dieses Ergebnisses ist Neuseeland der Platz auf dem Globus, an dem man am besten Leben kann. Doch dieser Sieg und Beliebtheitsgrad des kleinen Landes Down Under war keine Überraschung, bereits sechs Mal in den vergangenen zehn Jahren führte Neuseeland die Liste aller Länder auf dem Wohlstandsindex an. Kein Wunder also, dass viele Menschen aus aller Welt danach streben, Aotearoa zur neuen Heimat zu machen. So viele jedoch, dass mittlerweile die Einwanderung für den Durchschnittsbürger immer schwieriger wird.

Die aufstrebende IT-Branche, herausragende Wissenschaftler und kreative Innovationsfirmen müssen sich heute schon lange nicht mehr hinter Neuseelands Landwirtschaft verstecken. Die Wirtschaft boomt. Auf dem Schweizer Global Wealth Report nahm Neuseeland sogar den fünften Platz ein – noch vor Großbritannien, Singapur und Belgien. Auch die Tourismusbranche stellt jedes Jahr neue Rekorde auf. 3,5 Millionen Menschen besuchten 2016 die atemberaubenden Naturkulissen des Inselreiches, noch einmal zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch je beliebter das Land im Pazifik wird, desto stärker reguliert die Regierung jetzt die Zuwanderung. Mit einem Immigrationshoch von 70.600 Netto-Einwanderern (Ankömmlinge abzüglich der Auswandernden) im vergangenen Kalenderjahr gelangten besonders viele Work Visa Halter und Studenten nach Neuseeland. Laut den neuesten Statistiken stieg allein der Anteil asiatischer Bürger in Neuseeland gegenüber 2006 um 33%, rund 35% Anstieg verzeichneten Immigranten aus dem Mittleren Osten, Lateinamerika und Afrika.

„Doch auch bei meinen deutschsprachigen Kunden herrscht nach wie vor reges Interesse an Neuseeland. Vom Handwerker bis zum Investor bekomme ich viele Anfragen von auswanderungsinteressierten Bürgern“, erklärt der langjährige deutsche Immigrationsberater Peter Hahn aus Wellington. Er berät seit über 20 Jahren Menschen, die mit dem Gedanken spielen, nach Neuseeland auszuwandern, dort zu arbeiten oder zu investieren. „Im Oktober hat die neuseeländische Regierung nun ziemlich drastisch und unerwartet auf die hohen Einwanderungszahlen reagiert und neue, striktere Regelungen für die Haupteinwanderungsschiene, die Skilled Migrant Category, bekannt gegeben – quasi über Nacht. Seitdem gestaltet sich die Immigration vieler unserer Kunden um einiges schwieriger, langwieriger und leider auch zeit- und kostenintensiver“, resümiert der Einwanderungsberater aus den vergangenen Monaten.

Die Skilled Migrant Category ist das Flaggschiff des neuseeländischen Einwanderungsrechts und beruht auf einem Punktesystem. „Die Regelung muss man sich wie ein Quotenmanagementsystem vorstellen“, erklärt Peter Hahn. „Zum einen wurde im Oktober die Gesamteinwanderungsquote pro Jahr von 50.000 auf 45.000 reduziert. Gleichzeitig gingen jedoch die geforderten Punkte von 100 (mit Joboffer – unbefristeter Arbeitsvertrag) auf 160 Punkte nach oben. Das steht meiner Meinung nach nicht wirklich im Verhältnis und wird vermutlich in der Zukunft wieder zu einer Senkung der Punkte führen. Die Flut von Anträgen dürfte aber zurzeit deutlich zurückgegangen sein.“ Daraus resultiert nun, wer zwar eine Stelle, die als sogenanntes ‚Skilled Employment’ (qualifizierter Job) gilt, gefunden hat, jedoch keine in Neuseeland anerkannte Berufsausbildung vorweisen kann, schafft es nicht mehr auf die geforderte Punktezahl von 160. „Beispielsweise Informatiker, die ‚nur’ an der IHK ausgebildet wurden, bekommen keine Punkte für ihre Ausbildung, so dass ein Residence Visa (Daueraufenthaltsgenehmigung) momentan außer Reichweite ist. Zudem wird nun von jedem Residence-Antragsteller ein Englisch-Test verlangt. Früher gab es auch Ausnahmen, wie wenn man bereits ein Jahr im Land per Work Visa gelebt und gearbeitet hatte“, gibt der Neuseeland-Experte zu bedenken. „Was nach wie vor gut funktioniert, ist das Leben in Neuseeland mittels eines Work Visa. Allerdings kann das recht unbefriedigend sein, mit Kind und Kegel hier runter zu kommen und nie die Gewissheit zu haben, dass man nach Ablauf des Visums auch bleiben darf.“

Der Arbeitsmarkt in der florierenden Wirtschaft Neuseelands zeigt sich für Jobsuchende jedoch nach wie vor gut. Wo sich Studenten, Working Holiday Reisende aus aller Welt und Work Visa Besitzer um die ‚Freizeitjobs’ in Cafés oder an der Tankstelle reißen, ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften nach wie vor noch nicht gedeckt. „Wer also wirklich den Willen, die Geduld, Zeit und auch das nötige Kleingeld hat, kann in vielen Fällen nach wie vor einwandern, auch wenn er nicht direkt auf die 160 Punkte kommen kann. Allerdings sind dafür oft viele kleine Umwege nötig, wie beispielsweise ein Studium in Neuseeland. Gänzlich aussichtslos ist die Lage nur für die wenigsten unserer Kunden.“

Dickere Akten, längere Verfahren, höhere Kosten – die Einwanderung ins beliebte Nummer 1-Land Neuseeland ist auch für Deutsche schwieriger geworden doch nach wie vor möglich.

 

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