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Eine Konditorin zog aus in die Welt (Teil 2)

Am Anfang die Bürokratie

Am Anfang die Bürokratie

Wenn ich heute so darüber nachdenke, ist es schon ziemlich abenteuerlich, wie ich so auf einmal zum Kiwi wurde…. im letzten Teil berichtete ich von meiner Work & Travel Zeit in Neuseeland und das ich dann nach einen Jahr zurückkehren musste. Wir schreiben inzwischen Ende Januar 2013. Die Vorbereitungen begannen um endgültig nach Neuseeland zu kommen.

Wenn man sich in Neuseeland auf ein Residency Visum bewirbt, muss man in erster Linie einmal gesund sein. Da das Gesundheitssystem in NZ generell kostenlos ist, versucht der Staat natürlich die Kosten dafür gering zu halten. Das gelingt (mehr oder weniger) unter anderem auch dadurch, indem sie keine kranken (und damit teuren) Immigranten hineinlassen. Klingt hart, ist aber auch irgendwie verständlich, wie ich finde.

Das hiess für mich, erstmal zum Hausarzt gehen und einen Komplettcheck durchführen lassen, einschliesslich eines TBC-Roentgenbildes. In meinem Fall fiel der Gesundheitscheck sehr positiv aus, und damit nahm ich schon gleich die wichtigste Hürde meiner Einwanderung. Nachdem ich ja schon ein Jahr in Neuseeland verbrachte und mit vielen anderen “Immigrants” Erfahrungen austauschen konnte, weiss ich, dass die Gesundheit bei sehr vielen schon ein “Showstopper” gewesen war. Ich jedoch hatte schon bald ein “Top-Gesund” Rating in meinem Medical, das begehrte Dokument!

Es begab sich dann auch tatsächlich so, dass mir von der freundlichen Dame am Schalter des Immigration Offices geraten wurde, gleichzeitig mit dem Antrag auf Residency auch einen für ein Workvisum in der Partnership Kategorie abzugeben. Denn das ginge verhältnismässig leicht (Nachweise die für beide Anträge gleichermassen beigebracht werden müssen, müssen nur 1x erbracht werden) und werden schnell, normalerweise binnen 2-3 Wochen, bewilligt. Das steht im Gegensatz zur Residency, die dann schon mal 12 Monate und mehr an Bearbeitungszeit haben kann, wenn es doof läuft. Das Work Visum hat dann eben diesen Vorteil, dass man Zeit für die Residency gewinnt (bis zu 2 Jahre) und dazu noch, quasi als netter Nebeneffekt, uneingeschränkt arbeiten darf. Alles eine Sache der Betrachtungsweise.

Also schnell noch den Workvisum Antrag ausgefüllt, das Medical dazu gelegt und ein paar Nachweise, die bestätigen, dass ich mit meinem Freund tatsächlich zusammenlebe (ja, darauf haben sie bestanden…). Und schon nach 2 Wochen durfte ich meinen Reisepass mit frischem Work Visum wieder abholen!

Die Freude war natürlich riesengross, war doch nun klar, dass ich zumindest einmal für 2 Jahre hier bleiben darf und noch dazu eine Arbeitserlaubnis hatte. Ein wichtiger Meilenstein war erreicht.

Blieb also “nur noch” der grosse Antrag auf Residency. Das Gute eben nun war, dass ich das Medical nicht noch einmal machen musste, genauso wie ich mein ins Englische übersetztes deutsches Führungszeugnis oder auch meine Geburtsurkunde nicht mehr einreichen musste.

Spannend wurde es dann doch noch einmal (ja, schon wieder!) bei den Nachweisen für die “Partnership” – denn wenn es um eine Residency geht, nehmen es die Kiwis wirklich sehr genau! Anscheinend hat es wohl in der Vergangenheit genug Schindluder gegeben…? Um dieses Visum bewilligt zu bekommen, muss man nachweisen, dass man in einer “genuine and stable Relationship” lebt. Wie man sowas jedoch beweisen kann, darüber laesst einen Immigration New Zealand im Unklaren. Aber natürlich kannte ich inzwischen genug andere Immigrants, die mir viele tolle Tipps gegeben haben, so dass ich von deren Erfahrungen lernen und profitieren konnte.

Also haben wir z.B. Urlaubsphotos, Kontoauszüge unseres gemeinsamen Bankkontos und eine Menge Referenzschreiben von Freunden und Verwandten abgegeben, in der Hoffnung, dass ihnen das genug Nachweis sein würde. Und tatsächlich, Immigration hat sogar noch einmal nachgefragt und wollte dann auch noch wissen, wie unsere Familien zu unserer Beziehung stehen.

Insgesamt haben wir demnach 20 Referenzschreiben, 10 Photos, 4 Reisedokumente und eine Werkstatt-Rechnung abgegeben! Und das reichte, und nach ziemlich genau 6 Monaten, nachdem ich mich endgültig dazu entschied, in Neuseeland zu leben, hatte ich meine Residency in der Tasche (vielmehr, in meinem Reisepass kleben). Yay!

Das Visum zu bekommen, war für mich eines der wichtigsten Meilensteine in meinem Leben. Man weiss ja niemals im Voraus, wohin es einen mal zieht, aber dann dort auch uneingeschränkt bleiben zu dürfen, ist unbezahlbar.

In den nächsten beiden Jahren brauche ich lediglich hier zu bleiben, was ich ja eh wollte, um mich für die “Permanent Residency” zu qualifizieren. Und damit werde ich für immer in Neuseeland leben und arbeiten dürfen, dürfte weggehen und wiederkommen, wann ich will. Ein grossartiges Geschenk von Neuseeland direkt an mich, was ich hoch wertschätzen werde.

Ich finde das Leben in Wellington gleichermassen spannend wie entspannend. Die wunderschöne Natur einerseits, das freundliche, künstlerische und bunte Stadtleben andererseits. Und beides direkt beieinander. Ich empfinde das Leben hier als leichter zu leben, wobei mir das schöne Bayern wohl auch hin und wieder fehlt. Ich habe wohl nun 2 Heimat, oder so…

Ich dachte mir, wenn ich das nächste Mal vom Leben in Wellington schreibe, wird’s wohl darum gehen, wie man in Neuseeland einen Führerschein macht und wie simpel es dann doch sein kann, einen Roller anzumelden! Anti-Bürokratie würde ich das nennen.

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